Heimat- und Geschichtsverein Achental

Maria Großglettner – ein Leben

Gustl Lex über eine fast unbekannte Chiemgauer Schriftstellerin

Vor einigen Jahren erhielt der Grabenstätter Gustl Lex, Feinmechanikermeister, Heimatpfleger seiner Gemeinde und Mundartautor, ein Paket. Was enthielt diese unerwartete Sendung? Zum Erstaunen des Empfängers war darin der literarische Nachlass der Traunsteinerin Maria Großglettner.

Viele Jahre vorher hatte der Teisendorfer Dichter Karl Robel Lex von den Gedichten und Erzählungen Großglettners erzählt, die 1901 in Bergen geboren war und seit den 1920er Jahren in Traunstein lebte. Robel hatte sie noch kennengelernt. Und was er über ihr Werk erzählte, hat Lex schon damals sehr interessiert. Maria Großglettner starb 1995, tragischerweise bei einem Brand in ihrem Wohnhaus. Als ihre Erben den Nachlass ordneten, entschieden sie, die Unterlagen an Gustl Lex zu schicken. Das war der Anfang seiner intensiven Beschäftigung mit der noch unbekannten Autorin. Er kam zu dem Schluss, dass sie nicht der Vergessenheit anheim fallen sollte. Also stellt er nun in Vorträgen und Lesungen ihr Leben der Öffentlichkeit vor.

Bei der jüngsten Veranstaltung, einem Vortrag am 1. Juni 2015 im Grassauer Kleinen Heftersaal, veranstaltet vom Heimat- und Geschichtsverein Achental e. V., wurde Lex musikalisch begleitet von der Harfenistin Katharina Wiesholler. Einfühlsam untermalte sie die Passagen aus Maria Großglettners Erzählungen mit sanften Melodien, vor allem das abschließend von Lex eindrucksvoll vorgetragene Gedicht, in dem die Autorin ihr Leben zusammenfasste: „Ich bin nur ein Gras auf der Wiese“. Voller Demut, aber auch voller Dankbarkeit und Humor kommt die Autorin hier zu Wort.

Viel rauer dagegen verlief ihr langes Leben, das fast das ganze 20. Jahrhundert überspannte. In der Bergener Maxhütte geboren, wurde Maria Großglettner mit 13 Jahren Halbwaise und musste von da ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Mit ihrem Mann Valentin Großglettner, einem Maurer und Gewerkschaftsführer in Traunstein, hatte sie drei Kinder, die alle früh starben; der Sohn fiel mit 20 Jahren 1944. Ihr Mann ebenso wie viele aus ihrer Familie hatte unter dem Nazi-Regime schwer zu leiden. Er kam für mehrere Jahre ins KZ Dachau, da sein Einsatz für die Arbeiter und auch die Arbeitslosen den Regierenden ein Dorn im Auge war.

Maria Großglettner nahm immer wieder Zuflucht zu eigenem Schreiben; mit 21 Jahren begann sie damit. Sie, die trotz sehr guter Schulleistungen keine weitere Ausbildung genoss, besaß eine gute Beobachtungsgabe und ein angeborenes Talent für eine schlichte, gleichzeitig gepflegte Sprache. Immer wieder veröffentlichte das Traunsteiner Wochenblatt ihre Texte. Zu einer Buchveröffentlichung kam es jedoch erst, als sie 75 Jahre alt war (Heiterer Chiemgau“ 1976, „Geliebter Chiemgau“ 1979, „Die bunte Welt“ 1980, „Ich bin nur ein Gras auf der Wiese“, Autobiografie, 1989). Das Werk und das Leben dieser ebenso starken wie bescheidenen Frau in Erinnerung zu bringen, ist das große Verdienst von Gustl Lex. – ug


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Gustl Lex und Katharina Wiesholler
(Foto Erich Kamm)

 

 

 

 

 

 

 

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Die Kulturlandschaft der Almen bewahren

Schwerpunktthema des Heimat- und Geschichtsvereins Achental 2015

Von Uta Grabmüller

Grassau – Passend zum Thema der derzeitigen Vereinsausstellung „Unsere Almen im Achental“ hatte der Vorsitzende Dr. Hans J. Grabmüller den Biologen Stefan Kattari vom Ökomodell Achental eingeladen, über den Artenreichtum der Almen zu referieren. Knapp 50 Interessierte fanden sich im neuen Mietenkamer Dorfsaal ein, und sie erlebten einen sachkundigen Überblick, illustriert von vielen Landschafts- und Pflanzenbildern. Für das Ökomodell Achental war dieser Vortrag übrigens auch der Beginn seines Themenjahrs „Almen“.

Was macht die Almen aus? Bei genauem Hinsehen ist es die Vielfalt in Flora, Fauna, landschaftlichen Strukturen und Kleinklimazonen. Die Beweidung geschwendeter (also von Bäumen und Strauchwerk freigelegter) Waldflächen in höheren Lagen war früher die zentrale Funktion der Almflächen. Das Vieh konnte hier übersömmern und sich selbst ernähren, während im Tal Getreide und Heu für den Winter wuchs. Heute hat dieser Aspekt an Bedeutung verloren. Betriebswirtschaftlich gesehen, lohnt der Viehauftrieb nicht mehr. Wichtig jedoch ist nach wie vor, die Almen von Bewuchs freizuhalten und vor Verwaldung zu schützen. Andernfalls wachsen alle Flächen zu. Ein Beispiel: die Hollandau in Unterwössen, eine Heimweide, die verholzen würde, wenn sie nicht geschwendet würde, oder die Rossalm bei Schleching, die höchstgelegene Alm Deutschlands (1640 m).

Die Kargheit des Bodens und die dünne Humusschicht auf den Almen bringen eine große Artenvielfalt hervor; jede Pflanze kämpft im kurzen Almsommer um ihr Bestehen; keine Art ist so stark, andere zu vertreiben. Stefan Kattari erläuterte dies an vielen Beispielen. Dabei nannte er auch viele aussagekräftige Volksnamen für die Pflanzen: Herbstdrehwurz, Allermannsharnisch, Wollköpfige Kratzdistel, Schusternagerl, Schwalbenwurzenzian, Mondraute, Natternzunge … Reichtum auch in der Sprache.

Naturschutz müsse beachtet werden, erklärte Kattari, wobei man nicht nur ein einzelnes Phänomen im Auge behalten dürfe, sondern die jeweiligen Lebensräume sehen müsse. Am Beispiel der Fliegenragwurz und der Sandbiene zeigte er die gegenseitige Abhängigkeit auf. Er nannte auch folgendes Beispiel für eine kluge Strategie zur Artensicherung: Das Alpenrispengras bildet noch an der Mutterpflanze Samen aus und lässt sie keimen und wurzeln, bevor es verwelkt und zu Boden sinkt, sodass die Jungpflanze schon stark anwächst und die kurze Vegetationsperiode auf der Alm gut nutzen kann.

Die Almwiesen sind schützenswert. Was wir heute bei Almenwanderungen so schätzen, nämlich die freien Wiesen, den weiten Blick, den blühenden Reichtum der Natur zu genießen, ist menschlichem Einfluss zu verdanken. Der Vereinsvorsitzende führte aus, dass die ursprünglich unberührte Naturlandschaft im Laufe der Jahrtausende zur vom Menschen geformten Kulturlandschaft wurde. Ohne die Eingriffe in die Natur wie Rodung, Schwenden, aber auch Erschließung, Wegebau und Düngung würden die Almen ein völlig anderes ökologisches Gepräge aufweisen. Die Kulturlandschaften haben durch den gestaltenden Menschen jeweils sehr unterschiedliche Veränderungen erfahren, die sie zu heutiger Sicht zu historischen Denkmälern machen, ähnlich den Boden- oder Baudenkmälern. Im Gegensatz zu letzteren sind sie aber nur schlecht dokumentiert. Diesem Mangel will der Heimat- und Geschichtsverein durch seine Ausstellung „Almen im Achental“ und den Aufbau eines möglichst detaillierten Almregisters abhelfen.

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