Heimat- und Geschichtsverein Achental

Vorträge 2012

Haben die Römer im Achental gesiedelt?
Vortrag von Andrea Krammer am 9. Oktober im Gasthof Zellerwand


Römerfund BockBis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob es im Achental zur Zeit der Römer, also in den ersten 500 Jahren nach Christi Geburt, Siedler gegeben hat. Es wurde zwar eine nicht unerhebliche Zahl an Bodenfunden zutage gefördert, was jedoch fehlt, sind hauswirtschaftliche Überreste, z. B. Keramiken und insbesondere Gräber. um eine Besiedlung eindeutig nachzuweisen.

Die Referentin, Andrea Krammer, M. A., Spezialistin für provinzialrömische Archäologie und  angestellt beim Römermuseum in Seebruck, war in besonderer Weise prädestiniert, auf die eingangs gestellte Frage eine Antwort zu geben. In einem zeitlich und räumlich weit ausgreifenden Überblick über die nach heutigem Stand der Forschung bekannte Römergeschichte der Provinz Noricum, zu der auch unser Achental gehörte, stellte sie die Fundsituation dar. Vergleiche mit dem Achental und der hier gefundenen römischen Überreste führten sie zu der Einschätzung, dass – wenn überhaupt – der heutige Ort Raiten als römischer Siedlungsort infrage kommen könnte.

An der Frage der Vorgehensweise von wissenschaftlich ausgebildeten Archäologen und unseren Hobbyarchäologen entzündete sich eine lebhafte Diskussion. Einerseits muss konstatiert werden, dass ohne das Wirken Letzterer in den vergangenen Jahrzehnten die Fachwelt nach wie vor von der „Geschichtslosigkeit“ des Achentals in der Vor- und Frühzeit ausgehen würde, andererseits bedarf es aber sicherlich bei der Auswertung der Funde fundierter wissenschaftlicher Kenntnisse. Der Geschichtsverein hat mit der kürzlich vorgelegten Gesamtschau der inzwischen vorliegenden Funde eine wertvolle Basis für weitere Forschungen geschaffen und hiermit „seine Hausaufgaben“ erledigt. Jetzt sind die Archäologen gefragt, diese Basis kritisch zu durchleuchten und die erforderlichen Schlüsse zu ziehen. Frau Krammer jedenfalls hat uns ihre Unterstützung zugesagt, wofür wir ihr herzlich danken.

 

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Erzählte Geschichte
Gustl Lex und sein Vortrag über König Ludwig I. in seiner Zeit (am 2.3.2012 im Grabenstätter Schloss)

Das kann er wirklich hervorragend: in lebendiger bayerischer Sprache Themen vermitteln. Ob es nun kleine Ereignisse oder persönliche Gefühle sind, wie er sie in seinen literarischen Texten beschreibt (zum Beispiel in seinem Buch „Lebfrisch kimmts außer“), oder ob es geschichtliche Zusammenhänge sind, die er in Vorträgen dem Publikum nahe bringt. Gustl Lex ist in doppeltem Sinne Heimatpfleger. Er schaut hin, wie die Region, in der wir leben, sich zu dem entwickelt hat, wie wir sie heute kennen, und er hört zu, wie die Sprache der Region klingt. Beides vermittelt er in seinen Vorträgen und Lesungen so erfolgreich, dass er das Publikum für sich gewinnt.


Vor gut einem Jahr brachte Gustl Lex in einem Vortrag für den Heimat- und Geschichtsverein Achental e.V. seinem Publikum das Thema „König Max I. – Bauherr des modernen Bayern“. Anfang März nun stellte er im Grabenstätter Schloss „König Ludwig I. in seiner Zeit“ dar. Begrüßt von Bürgermeister Schützinger, genossen die Zuhörer einen spannenden Abend. Zur musikalischen Begleitung hatte sich die „Bergmoos Musi“ mit Harfe und Ziach dazugesellt.


Lex gelang es, die Biografie des zweiten bayerischen Königs aus seiner Zeit heraus zu entwickeln: ein Europa, das Anfang des 19. Jahrhunderts in Kriegen aufgerieben wurde, das zerbrechende „Römische Reich deutscher Nation“, die Kleinstaaterei in Deutschland, der Übergang Bayerns zu einer Monarchie, die Revolution im Verkehrswesen durch die Ausbreitung des Eisenbahnnetzes, die unruhigen Zeiten um 1848. Als König setzte sich Ludwig mit den politischen Umständen seiner Zeit auseinander und arbeitete unentwegt für sein Land. Auf der anderen Seite gab es den privaten Menschen Ludwig mit seinen Leidenschaften „Kunst und Bauen, schöne Frauen“.


Viel gab es erzählen! Nach zwei Stunden tröstete Lex seine Zuhörer: „Des Mehra hammer scho!“ Und das Publikum war immer noch begeistert bei der Sache: „Jetzt verstehe ich erst mal richtig, wie das alles zusammenhängt!“. Oder: „Ich könnte stundenlang zuhören.“ So wird Geschichte lebendig. Weitere Veranstaltungen des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e.V. sind hier unter „Programmübersicht 2012“ aufgelistet.

 

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Lebendige „Historische Saumpfade im Achental“
Vortrag von Hartmut Rihl, Heimat- und Geschichtsverein Achental

Schleching – „Den Ursprüngen unserer Geschichte und Kultur auf der Spur“ hat sich der Heimat- und Geschichtsverein Achental e.V. als Ziel gesetzt. Zu den geschichtlichen Veranstaltungen gehörte jetzt der Vortrag „Historische Saumpfade im Achental“ des Schlechinger Heimatpflegers und Amateur-Archäologen Hartmut Rihl im Gasthof „Zellerwand“ in Mettenham.

In der sogenannten Frühen Bronzezeit vor etwa 4.000 Jahren existierte im Achental noch keine einzige der uns heute bekannten menschlichen Siedlungen,“ stimmte der Vorsitzende des Vereins Dr. Hans Jürgen Grabmüller, Grassau, auf das Thema ein. Dennoch würden dank der jahrzehntelangen Bemühungen einiger privilegierter Achentaler Amateur-Archäologen mehrere Hundert Funde beweisen, dass das Achental bereits in so früher Zeit zumindest begangen wurde. Weitere Funde belegen dies für die Eisenzeit, die Römerzeit, die frühe Bajuwarenzeit bis hin zum Mittelalter. Bemerkenswert sei, dass sich die Fundorte auf beiden Seiten der Ache vom Streichen bis nach Staudach und von Ettenhausen über Niedernfels bis Richtung Klaushäusl erstrecken. In einer Karte eingetragen, sind die Fundorte wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht. Ganz eindeutig ergäbe sich hier das Muster von Verkehrswegen. Wegen der schwierigen topografischen Bedingungen waren dies meist Pfade, die nur zu Fuß oder mit Saumtieren begangen wurden. Aus den Funden lasse allerdings nicht auf eine frühe Besiedelung des Achentales schließen. Hierzu wäre die Entdeckung von Siedlungsrelikten und vor allem von Gräbern erforderlich. Dass bereits die Kelten hier gelebt und Landwirtschaft betrieben hätten, müsse in den Bereich der Legenden verwiesen werden, betonte Grabmüller.

Dass Hartmut Rihl als Heimatpfleger und Amateur-Archäologe sowie als Mitglied der „Schlechinger Samer Kraxentrager“, die etlichen alten Saumwege nachgegangen sind, das Thema „Historische Saumwege“ auf den Leib geschrieben ist, beweisen seine profunden Kenntnisse der archäologischen Funde im Achental einerseits und der Geschichte des Saumwesens andererseits.

Die Handelswege der prähistorischen Zeit würden wohl mit dem bronzezeitlichen Kupferabbau im Inntal in der Gegend vom Schwaz und Brixlegg, in Kitzbühel und im Salzachtal zusammenhängen, führte Rihl aus. Er ging ausführlich auf die verschiedenen Epochen der archäologischen Funde ein und zeigte hierzu Bilder, zum Beispiel von Ringbarren als ältestem Fund im Achental. (Eine Ausstellung „Vor- und frühgeschichtliche Werkzeug- und Gerätefunde im Achental“ vom 30. Juni bis 26. August jeweils samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr in den Räumen des Vereins vertieft dieses Thema).

Den genauen Verlauf der Saumpfade zu erkunden, ermöglichten bestimmte Geländeformen, Reste von Steigen und seit den 90-er Jahren vor allem archäologische Funde, so Rihl. Der Name der Schlechinger Streichenkirche, auf dem „Streichen“ liegend, kommt von dem Wort „Strichen“ oder „Strich“, was soviel heiße wie „Übergang, Saumweg“. Anhand von Karten erläuterte Rihl den Verlauf der alten Pfade beidseitig des Achentales oft in halber Höhe der umliegenden Berge. Philipp Apian berichtet in seiner Topographie 1579 bis 1589 von engen und sehr holprigen Pfaden nach Reit im Winkl und über den Klobenstein, die kaum einem beladenen Saumtier Platz bieten.
Wie Urkunden aus dem Salzburger Urkundenbuch aus dem Jahr 1385 und herzogliche Urbarien aus dem Jahre 1435 zeigen, waren die Schlechinger und andere Achentaler Bauern „Weinzinser“, also Samer. Sie hatten als Aufgabe, für die Kirchen, Klöster und den Herzog Bozener und Meraner Wein zu säumen. Auf dem Weg in den Süden führten die Samer auf den Pferden unter anderem zerstoßenes Rieselsalz in hölzernen länglichen Gefäßen, den „Lageln“ mit, die auf dem Rückweg mit Wein gefüllt wurden. Als Zins mussten sie ihrer Herrschaft ein „Saum“ Bozener Wein „vini bosanici“ abgeben. Ein Saum war die Last für ein Pferd von 125 Liter Wein. Auf dem Saumwegen waren aber auch Kraxentrager mit „Kopfkraxen“ unterwegs. Sie trugen Handelsgüter für den täglichen Bedarf über das Gebirge, oft mit bis zu 80 Kilogramm schwer beladen.

Entlang der Saumwege lagen viele Tavernen, heute meist die Gasthöfe zur Post oder Raststationen, sogenannte „Samer-Ställe“, wo Mensch und Tier Pause, „a Boisei“, machten. Ob die Achentaler Samer wirklich über Mittersill hinaus bis über die Tauernpässe zogen oder über Zwischenhändler im Pinzgau versorgt wurden, ist nicht sicher zu belegen. Bekannt ist aber, dass die Samer oft wochenlang unterwegs waren, was für den Übergang über die Tauern oder über den Brenner spricht.

Wie der Gerichtsherr Pankraz von Freyberg zu Hohenaschau in der Almordnung aus dem Jahr 1558 klagte, kam die übermäßige, beschwerliche und unnütze Saumfahrt schließlich in Verruf, die dem Haushalt der Untertanen und ihrer „Rossezucht“ eine merkliche Schädigung zuführe. Im 17. und 18. Jahrhundert bekam der Wein mächtige Konkurrenz durch das billigere Bier. Mit dem Verbot des „Samergewerks“ durch den Herzog Karl Theodor im Jahr 1785 hatte man sich wohl der neuen Zeit angepasst. Heute erinnern noch Haus- und Flurnamen, wie „Samerberg“, an diese Zeit. Aufgezeichnet für das Fernsehen des ORF dokumentierte die früheren Saumpfade ein Samerzug der „Mittersiller Samer“ mit Rössern über die Tauern, den Pass Thurn, durch das Leukental nach Schleching, und von dort mit den Schlechinger Kraxentragern und den Samerberger Samern nach Grassau und auf die Fraueninsel am Chiemsee, wo die Samer dem Benediktiner-Kloster symbolisch den Zins entrichteten. bre

Dr. Hans Jürgen Grabmüller mit Heimatpfleger Harmut Rihl
Foto (Reichenbach):
Heimatpfleger Hartmut Rihl bei seinem Vortrag „Historische Saumpfade im Achental“ mit dem Vorsitzenden Dr. Hans Jürgen Grabmüller des Heimat- und Geschichtsvereins Achental.


Aktuelles

10.03.2019 14:00

Exkursion nach Trostberg

Treffen in Schedling 7, 83308 Trostberg

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14.10.2018 18:00

Geistlich-volksmusikalisches Konzert

Der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet unter der musikalischen Organisation von Rudi Ritter ein geistlich-volksmusikalisches Konzert.

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13.10.2018 11:00

Ausstellung Andreas Kuhnlein

Das Schmankerl unseres Jahresprogramms!

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