Heimat- und Geschichtsverein Achental

Vorträge 2011

Auf dem Weg zum Nationalsozialismus – Traunstein, Trostberg und Grassau im Vergleich


Am Montag, dem 23. Januar fand im Kleinen Heftersaal (Gasthof zur Post) in Grassau ein Vortrag von Gerd Evers statt zum Thema „Vom Ende des 1. Weltkriegs bis zur Nationalsozialistischen Machtergreifung – Regionale Entwicklungen im Chiemgau“. Ca. 60 Besucher hatten sich für das Thema interessiert, und wurden durch den sehr lebendigen und wissenschaftlich fundierten Vortrag positiv überrascht.

Der Vortrag befasste sich hauptsächlich mit den folgenden Themen: Revolutionszeit und Einwohnerwehren, Gründung der NS-Ortsgruppen in Traunstein und im Achental, Auseinandersetzungen der Parteien am Ende der Weimarer Republik bis zur Machtergreifung. Die Entwicklung in Traunstein stand im Mittelpunkt des Vortrags. Dennoch waren die ca. 60 Besucher erstaunt, wie viele Details Evers auch zur damaligen Geschichter von Grassau und Rottau zutage gefördert hatte. Obwohl 1945 vor dem Einmarsch der Amerikaner die Gemeindeakten und das Archiv „gesäubert“ worden waren, lässt sich anhand der verbliebenen Reste, der veröffentlichten Statistiken und insbesondere der zeitgenössischen Zeitungsartikel ein ziemlich genaues Bild der Ereignisse nachzeichnen.

Gerd Evers ist Spezialist auf dem Gebiet der Geschichte des Traunsteiner Landkreises im 20. Jahrhundert und hat mehrere Publikationen zu diesem Thema vorzuweisen. Auch im Grassauer Geschichtsprojekt arbeitet er mit. Ende diesen Jahres wird der zweite Teil der „Historischen Entwicklung der Marktgemeinde Grassau“ erscheinen, in dem er die Geschichte von 1918 bis 1945 behandeln wird. Seine Verdienste um die Traunsteiner Heimatgeschichte haben inzwischen ihre Anerkennung gefunden: 2010 wurde Evers vom „Historischen Verein für den Chiemgau zu Traumstein e. V.“ mit dem Max-Fürst-Preis geehrt. Max Fürst, der von 1846-1917 lebte, war ein bedeutender Traunsteiner Maler und Heimatforscher, zu dessen Erinnerung alljährlich ein Preis für hervorragende Geschichtsarbeiten ausgelobt wird.
hgr

 

 

Bayern lässt als erster Staat Europas sein Land vermessen

tl_files/images/bayern_vermessen.jpgDas hätten sich die Besucher eines Vortrags am 4. November im Kleinen Heftersaal (Grassau) nicht träumen lassen: Die „Geschichte der bayerischen Landesvermessung“ versprach eher trocken, akademisch und technisch zu werden: was dann jedoch vom Ltd. Vermessungsdirektor a. D. Klaus Haslach geboten wurde, glich eher einem Geschichtskrimi was die Spannung betraf, und einem sprudelnden Feuerwerk an Detailkenntnissen, das aus dem Referenten nur so hervorbrach. Das erstaunlichste jedoch – Haslach bewegte sich stets auf dem Boden seriöser Wissenschaft.

Worum ging es nun im Einzelnen? Bayern hatte im Gefolge der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts riesige Gebietszuwächse erhalten (u. a. Schwaben und Franken) und wurde 1806 sogar Königreich. Zusätzlich konnte es sich im Zuge der Säkularisation und Mediatisierung geistliche und weltliche Herrschaften, insbesondere die geistlichen Fürstentümer, Hochstifte und Klöster sowie Bistümer und fünfzehn Reichsstädte einverleiben. Bis dahin war Bayern ein Konglomerat aus über siebzig Territorien gewesen. die sich in Tradition, Rechtssystemen, Verwaltung, Finanzkraft und vielem Anderen erheblich unterschieden.

Ziel der Regierung musste es deshalb sein, den „Fleckerlteppich Bayern“ in ein gemeinsames Staatswesen zu integrieren. Da hierzu vor allem Geld benötigt wurde und Geld in dem landwirtschaftlich strukturierten Land zuallererst aus der Gebäude- und Grundsteuer fließen musste, war die Reformierung und Vereinheitlichung der insgesamt mehr als hundert Grundsteuersysteme erste Aufgabe. Die Voraussetzungen hierfür sollte die Landesvermessung schaffen: König Max I. gründete im Jahr 1808 die königliche Steuervermessungskommission (späteres Landesvermessungsamt) und ordnete erstmals die Vermessung sämtlicher Grundstücke in Bayern (insgesamt über 17 Millionen) an. Diese gewaltige Maßnahme dauerte bis 1864 an. Als Ergebnis entstanden über 24.000 sog. Uraufnahmeblätter.

Die Erfassung der einzelnen Besitzstände geschah nicht nur zur Freude der Eigentümer, kam diese Maßnahme doch einer Steuererklärung gleich. Den Umfang ihres beanspruchten Bodens mussten die Eigentümer selbst z.B. mit Pflöcken markieren. Wer sich weigerte, wurde bestraft.

http://vermessung.bayern.de/historisches.html

Bildunterschrift:
R. Schreiner, Schriftführer (li), K. Haslach, Referent (Mi), H. Grabmüller, Vorsitzender

 

 

Am Samstag, dem 27. August 2011 fand ab 16.00 Uhr im ehem. Forstamt Marquartstein eine öffentliche Pilzberatung statt sowie um 19.00 Uhr ein Vortrag mit dem Titel „Pilze zwischen Inn und Salzach“ im Gasthof Prinzregent in Marquartstein.

Es handelte sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung des „Heimat- und Geschichtsvereins Achental“ sowie des „Ökomodells Achental“ im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum „Internationalen Jahr der Wälder 2011“.

Obwohl das Wetter nicht so recht mitspielte, kamen doch einige Schwammerlfreunde ins Forstamt, um ihre Funde von Till Lohmeyer, Pilzberater und Autor mehrerer einschlägiger Bücher begutachten zu lassen.
Im anschließenden Lichtbildervortrag konnte Lohmeyer seine profunde Kenntnis auf dem Gebiet einheimischer Pilzarten nachweisen. Die Qualität seiner Bilder war beeindruckend. Er trug lebendig und spannend vor, und vor allem waren es zwei Botschaften, die als Fazit beim Zuhörer ankamen.

Erstens: Verarbeite und iss selbst gesammelte Schwammerl nur, wenn Du Dir nach Prüfung jedes einzelnen Exemplars hundertprozentig sicher bist, um welchen Pilz es sich handelt.
Zweitens: Pilze und Bäume bilden notwendige Lebensgemeinschaften. Sie sind eine wichtige Voraussetzung für die Artenvielfalt und Gesundheit unserer Wälder.
(Hans J. Grabmüller)

 


20.05.2011 – Vortrag von Dr. Robert Darga beim Heimat- und Geschichtsverein Achental e.V.


Ein Vortrag zur Entstehungsgeschichte des Chiemsees? Dieses Thema machte viele Menschen neugierig. Und so waren denn auch im Kleinen Heftersaal in Grassau über 70 Stühle besetzt, als der 2. Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Achentel e.V., Fritz Irlacher aus Schleching, den Abend eröffnete und den Referenten begrüßte. Dr. Robert Darga, der Leiter des Südostbayerischen Naturkunde- und Mammut-Museums Siegsdorf, stellte die verschiedenen Etappen der Landschaftsformung des Chiemgaus seit der letzten Eiszeit dar, deren Höhepunkt vor ca. 20 000 Jahren war. Sein Vortrag war professionell präsentiert und sehr informativ.


Ganz entscheidend geprägt wurde unsere Region in der Eiszeit von den Gletschern, die sich aus den Alpentälern herausschoben und nördlich des Gebirgsrandes einen großen Eislappen bildeten. Den größten Anteil daran hatte der Inngletscher, die zweitgrößte Eisfläche bildete der Tiroler Achen- oder Chiemsee-Gletscher. Dazu kamen der kleinere Prien- sowie der Gammernwald-Gletscher (Samerberg). Im Zuge des Abschmelzens kam es zu den heute sichtbaren  Landschaftsformen. Dr. Darga wies nach, wie der Chiemgau dauernder Veränderung unterworfen war und wie – das war besonders aufschlussreich – noch heute im Landschaftsbild die Spuren der verschiedenen Entwicklungsstadien zu erkennen sind. Experten können das in einem Steinbruch, auf eine Baustelle, an einer grasbewachsenen Erdschwelle, anhand der Bodenzusammensetzung oder aus der Vogelperspektive erkennen. Damit erschloss Dr. Darga den Zuhörern eine weitere Methode der Heimatforschung, die uns neben gegenständlichen Funden oder schriftlichen Quellen Aufschluss geben kann über die örtliche Geschichte.


Die vielen interessierten Fragen und sachkundigen Hinweise aus dem Publikum ließen erkennen, wie aktuell das Vortragsthema war. Fritz Irlacher dankte dem Referenten und lud die zahlreichen Anwesenden ein zum 1. Sommerfest des Heimat- und Geschichtsvereins Achental am Samstag, dem 28. Mai, ab 14 Uhr auf dem Freigelände vor den Vereinsräumen im ehemaligen Forstamt im Zentrum von Marquartstein – Sonnenschein vorausgesetzt!


Dem Heimat- und Geschichtsverein Achental e.V. gehören neun Gemeinden aus dem südlichen Chiemgau sowie über 100 Privatpersonen an. Das Veranstaltungsprogramm des Vereins ist abrufbar unter www.hgv-achental.de. - ugr

 

 

Am 8. April 2011 fand im Gasthof zur Post in Grassau ein Vortrag von Fritz Seibold jun. aus Grassau statt zum Thema „Der Römerstein von Staudach-Egerndach und das römische Steinmetzhandwerk in der Antike.“ Der Vortrag beschäftigte sich mit dem Beruf und der Ausbildung zum Steinmetz in der Römerzeit, mit dem Abbau, Transport und der Bearbeitung der Steine sowie dem hierzu benötigten Werkzeug. Die Arten von verwendeten Steinen waren ebenso Gegenstand des Vortrags wie die Produkte, zu denen die Steine verarbeitet wurden.

Der Vortragende hat in jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema nicht nur die wissenschaftliche Literatur verarbeitet, sondern sich ein eigenes Bild über die wichtigsten Fundstücke vor Ort machen können. Ganz im Sinne der „Experimentellen Archäologie“ will er einen Römerstein aus Staudach-Egerndach, der im 2. Weltkrieg zerstört wurde, von dem aber noch Fotos existieren, rekonstruieren.
Im Sommer dieses Jahres lädt der Heimat- und Geschichtsverein Achental zu einem Werkstattbesuch im Steinmetzbetrieb Seibold in Grassau ein. Der Termin wird noch bekannt gegeben.
 

 

Am 11. Februar 2011 sprach der Grabenstätter Heimatforscher Gustl Lex  zum Thema „Der Übergang Bayerns zum Königreich – Maximilian I. Joseph und seine Zeit“. Wieder einmal gelang es ihm, seine Zuhörerschaft in seinen Bann zu ziehen. Es gibt nur wenige Redner, die derart leben dig und gespickt mit Humor und teilweise beißendem Spott Geschichte an den Mann bzw. die Frau zu bringen verstehen – und das Ganze in originär bayerischer Sprache. Entsprechend begeistert waren denn auch die mehr als 80 Gäste, die den  Veranstaltungssaal im historischen Ambiente des Grabenstätter Schlosses bis auf den letzten Platz füllten.

Der Vortrag versuchte, zwei sehr unterschiedliche Themen, die jeweils auch verschiedene Herangehensweisen verlangen, auf einen Nenner zu bringen: zum einen die personengeschichtliche Darstellung Maximilians. Detailliert wurde seine Rolle unter den ersten bayerischen Königen herausgearbeitet. Sein komplexer und widersprüchlicher Charakter, seine Leichtlebigkeit aber auch Zögerlichkeit, seine erstaunlich große Beliebtheit bei der Bevölkerung und sein Umgang mit Verwandten, und anderen Großen der Zeit wurden lebendig und lebensnah gezeichnet.

Zum anderen war eine für Bayern äußerst wichtige Epoche zu behandeln, eine Epoche, die den Bruch mit mittelalterlichen Traditionen einläutete. Es blieb kein Lebensbereich, keine Institution, keine Bevölke rungsgruppe ausgespart, als der Drang nach Veränderung, nach Reform und Umbau einen neuen Staat schuf. Die Bauern wurden allmählich in die persönliche Freiheit entlassen, Adelsrechte wurden beschnitten, Klöster aufgelöst, Städte und Kommunen in die Selbstverwaltung entlassen sowie Verwaltung und Rechtspflege modernisiert. Bayern selbst erhielt ein zusammenhängendes Staatsgebiet, und wurde von Napoleon zum Königreich erhoben. Dieser Teil des Vortrags fiel erheblich knapper aus als der personengeschichtliche. Dies mag man einerseits bedauern, andererseits ist zu bedenken, dass die Personengeschichte in der Geschichtsforschung der heutigen Zeit eher vernachlässigt wird. Insofern rückte dieser Vortrag vielleicht die ein oder andere Sichtweise gerade. Dass die historische Leistung des ersten bayerischen Königs in der Öffentlichkeit zu wenig Beachtung findet, konnte Gustl Lex glaubhaft vermitteln. Diese Einsicht ist im Jubiläumsjahr eines seiner viel berühmteren aber weit weniger erfolgreichen Nachfolger, Königs Ludwig II., sicher sehr wertvoll.


Aktuelles

10.03.2019 14:00

Exkursion nach Trostberg

Treffen in Schedling 7, 83308 Trostberg

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14.10.2018 18:00

Geistlich-volksmusikalisches Konzert

Der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet unter der musikalischen Organisation von Rudi Ritter ein geistlich-volksmusikalisches Konzert.

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13.10.2018 11:00

Ausstellung Andreas Kuhnlein

Das Schmankerl unseres Jahresprogramms!

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