Heimat- und Geschichtsverein Achental

Nach schwerer Zeit entstanden Kirchenbauten voller Pracht 

Der Chiemgauer Baumeister Abraham Millauer war auch in Tirol aktiv


„Auf den Spuren des Abraham Millauer – zu den Kirchen von Schleching, St. Johann in Tirol, Reith bei Kitzbühel und Ebbs“ – so hieß das Programm eines Tagesausflugs am 22. April 2017, zu dem der Heimat- und Geschichtsverein Achental e. V. eingeladen hatte. Dank der Vereinsmitglieder Hartmut Rihl aus Schleching, der äußerst kenntnisreich durch vier Kirchen führte, und Gerhard Waschin aus Grassau, der im Bus den Mitreisenden mit kundigen und humorvollen Informationen Land und Leute nahebrachte, entspann sich ein abwechslungsreicher Tag.In den Jahrzehnten nach dem 30jährigen Krieg im 17. und nach dem Spanischen Erbfolgekrieg Anfang des 18. Jahrhunderts hatte die Bevölkerung besonders schwer gelitten. Langsam erholten sich dann die Menschen wieder, man sah besseren Zeiten entgegen. Es setzte eine rege Bautätigkeit ein. Im Chiemgau, im Inntal und in Tirol entstanden viele prachtvolle Kirchen. Ein Meister dieser Baukunst war Abraham Millauer (1683-1758) aus dem heutigen Landkreis Miesbach. Bei der Pfarrkirche in Schleching begann bei bestem Frühlingswetter mit 55 Teilnehmern die abwechslungsreiche Tour durch das obere Achental, das Leukental und zurück über Kufstein und Ebbs. Hartmut Riehl charakterisierte die Millauer-Kirchen anhand einiger deutlicher Architekturmerkmale: Sie zeigen sich im immer klaren, einschiffigen Wandpfeilerbau, der durch großformatige Fenster einen hellen Innenraum ergibt. Abwechslungsreiche künstlerische Details verbergen  sich in der variierenden Ausgestaltung des scheinbar schlichten Architekturkonzepts: In Millauers Frühwerk ist das Spätbarock vertreten, während die späteren Bauten markante Beispiele für das Rokoko sind. Die besuchten Kirchenbauten spannen einen Bogen vom Frühwerk (St. Johann 1723-28, Reith 1729-31) über die mittleren Jahre (Schleching 1737) bis zum späten Werk (Ebbs1748-1756) – so war über drei Jahrzehnte die Entwicklung des Baumeisters an seinen Werken deutlich abzulesen.Der Vereinsvorsitzende Dr. Hans Grabmüller zeigte sich sehr erfreut über das große Interesse an der Tagesfahrt. Solche Ausflüge zu Beispielen der abwechslungsreichen Regionalgeschichte sollten wiederholt werden. – ugr

 

Millauer Kirche

Auch Millauers kleine Dorfkirche in Reith bei Kitzbühel fand großes Interesse (Foto Uta Grabmüller)

 

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Eine einfache Scheune. Mit Weltkunst.

Besuch bei Andreas Kuhnlein in Unterwössen

Man muss gar nicht weit reisen, um Wertvolles zu entdecken. Im Achental lebt ein Bildhauer, dessen Werke weltweit ausgestellt sind. Von Kanada bis Südkorea sind sie zu finden, die charakteristischen, schroffen und doch so sensiblen Holzarbeiten von Andreas Kuhnlein in Unterwössen. Bislang war er bei 360 Ausstellungen auf der ganzen Welt vertreten. 

Dennoch ist der Künstler mit ganzem Herzen seiner Heimat verbunden, und hier entstehen unermüdlich neue Arbeiten. Den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e. V. bot Kuhnlein an, Einblick in seine Werkstatt und seine aktuellen Projekte zu nehmen. 35 Interessierte nahmen gerne diese Gelegenheit gerne wahr. Viele von ihnen hatten heuer bereits die große Ausstellung in der Münchner Glyptothek besucht: „Zerklüftete Antike“, ein herausfordernder Dialog zwischen Kuhnleins Holzarbeiten und klassischen Kunstwerken aus Stein. (Der Schlechinger Kulturförderverein hatte den Ausflug im Juni organisiert.)

Andreas Kuhnleins klare und aufmerksame Art, im Gespräch auf seine Besucher einzugehen, vermittelten einen unmittelbaren Zugang zu Leben und Werk des Bildhauers. Seine Biografie verlief keineswegs glatt und weist – wie seine Objekte – manchen Einschnitt, manche Schramme auf. Der Landwirtsohn, gelernte Schreiner, Polizeibeamter, Bauer und freischaffende Künstler mit Lehraufträgen u. a. in China fand nach anfänglicher Beschäftigung mit Bronze und Stein vor über 20 Jahren zum Holz. Das Material Bronze dünkte ihm zu glatt, Stein war zu hart und langwierig zu bearbeiten. Holz – ebenso widerspenstig wie widerstandsfähig; stark, aber auch verletzlich – bietet ihm das geeignete Material für seine Arbeiten. Er arbeitet frei mit der Kettensäge aus dem ganzen Stamm. Wenige Künstler schaffen es, ihre Figuren so eindrücklich zum Sprechen zu bringen – und wenige Künstler ermöglichen allen Menschen, die seine Objekte betrachten, einen so einfachen, menschlichen Weg der Begegnung mit starker Kunst. 

Seine schlichte Scheune am Kruchenhausener Hang birgt eine Vielzahl seiner Werke, ein wahrer Kunstschatz. So viel Kuhnlein auch schon geschaffen hat: Jede einzelne Arbeit geht mit einer individuellen Aussage einher und erstaunt den Betrachter mit neuen Gedanken. Und noch wertvoller: die persönliche Begegnung mit dem Künstler: unprätentiös, konzentriert, immer achtsam und stets dem Moment und dem Gesprächspartner zugewandt.

Dieser Werkstattbesuch war ein Beispiel dafür, dass der Heimat- und Geschichtsverein Achental e. V. seinen Blick nicht nur auf die Geschichte richtet. Zur Heimat gehört auch deren kulturelle Entwicklung, und die Vereinsmitglieder konnten hier persönlich Zeugen eines solchen aktuellen Prozesses werden. 

Auch in unserer Region stehen einige von Kuhnleins Arbeiten, so z. B. in Unterwössen (Brunnen am Rathaus) und in Grassau („Mutter und Kind“ in der Aussegnungshalle, „Auszeit“ am Kirchplatz). Schon hier sei auf eine kommende Ausstellung hingewiesen: Sie ist im Frühjahr 2017 in Rosenheim zu sehen. – ugr

Werkstatt Kuhnlein

Besuchergruppe

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„Vo da Schwoag bis auf d‘Hochalm”

Heiteres und Wissenswertes rund um das Almleben

Streichenkirche und Streichenkaser waren Ziel einer ganzen „Horde“ von Mitgliedern aus dem Achentaler Heimat- und Geschichtsverein. Im Rahmen seines Ausstellungsprojekts zur Achentaler Almenlandschaft (wir berichteten) ging es diesmal um das Alltagsleben, speziell um das Liedgut, das uns im Rahmen der Almkultur überliefert wurde. Wer wäre besser geeignet gewesen, als Moderator und Referent einen heiteren, aber auch besinnlichen und zum Nachdenken anregenden Abend zu gestalten, als der allseits bekannte Siegi Götze aus Marquartstein? Unterstützt wurde er durch die Schlechinger Sänger und Rudi Ritter auf der Zither.
Zunächst jedoch nutzte der Verein die Gelegenheit für eine Führung durch Geschichte, Archäologie und Kultur der Streichenkirche. Wie immer hat der Schlechinger Heimatpfleger Hartmut Rihl diese Aufgabe, didaktisch gut aufbereitet, mit Engagement und hervorragendem Hintergrundwissen einer begeisterten Zuhörerschaft nahegebracht. Alle waren sich am Schluss einig: Unsere Region bietet weit mehr an Kulturdenkmälern und Kunstschätzen, als die meisten Einwohner vermuten würden.
Von der Kirche ging es dann in den gemütlichen Kaser neben dem Berggasthof. Siegi Götze widmete sich sehr routiniert, aber gleichzeitig engagiert einem Thema, das heute Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen ist. Es ging anhand des Alm-Lieds vom „Tennbodenbachei“ um die Frage, was denn „echte“ oder ursprüngliche Volksmusik von der sog. volkstümlichen Musik unterscheidet, die wir täglich in Rundfunk und Fernsehen verfolgen können.
Götze hatte weitreichende Forschungen zur Entstehung des Liedes angestellt. Der Grassauer Komponist Max Koch (1886-1669) schrieb es im Jahr 1943. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht, wie so oft üblich, eine idealisierte Almwelt, sondern sehr detailliert eine konkrete Alm (Piesenhausener Hochalm), ihre Landschaft, ihre Flora und Fauna in der hiesigen Mundart beschreibt. Diese Realitätsnähe ist es dann auch, die das Lied von jeder Volkstümelei abhebt.
Götze bot einen bunten Strauß aus Wissenswertem, Heiteren, aber auch sehr Nachdenklichem zum Thema Almen, Almleben und Almzukunft. Die vier Musiker taten das Ihre, das hohe Niveau der Veranstaltung zu stützen, und zum Schluss sangen alle Gäste gemeinsam das Lied vom Tennbodenbachei. - hjg

 

Streichenkirche

Hartmut Rihl (Mitte vor dem Alter) führt in der Streichenkirche (Foto: Karin Raab)

Berggasthof Streichen

Siegi Götze (Mitte) erzählt vom Leben auf der Alm. (Foto: Karin Raab)

 

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Ein Ausflug in die Chiemgauer Wirtschaftsgeschichte

Das Bergbau-Museum in Achthal

Das Veranstaltungsprogramm des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e. V. wird immer beliebter. Selbst an einem kalten, grauen Wintertag fanden sich über 30 tapfere Geschichtsinteressierte an der Autobahnausfahrt Neukirchen-Teisendorf ein und gerieten ins Staunen. Alle kennen diesen Streckenabschnitt der A 8 natürlich,  aber wem war bewusst, dass sich hier jahrhundertlang ein wichtiges Kapitel der Chiemgauer Wirtschaftsgeschichte abspielte? Es geht um den Bergbau. Helmut Birner, ein sachkundiges Vereinsmitglied, erläuterte im Gelände den historischen Grenzverlauf zwischen Österreich und Bayern. Unmittelbar am Teisenberg wurde nämlich zum Nutzen beider Staatswesen Erz gewonnen. Das für Bayern abgebaute Erzgestein fuhr man auf Karren und Boote nach Bergen in die Maximilianshütte oder nach Aschau; das für Österreich gewonnene Material wurde im nahegelegenen Achthal verarbeitet.

Dort ist vor 20 Jahren im ehemaligen Amtshaus ein äußerst sehenswertes Museum entstanden. Es erläutert anschaulich und umfangreich die Geschichte dieses frühindustriellen Zentrums. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts boten die Verhüttung des Erzgesteins und der Eisenguss hier Hunderten von Menschen Arbeit. Nach Aufgabe des Betriebs drohte die Anlage zu verfallen. Dann aber kam Sepp Winkler ins Spiel: Ihm und seinem Förderverein ist die Entstehung des Museums zu verdanken. Als leidenschaftlicher, sachkundiger Achthaler betrieb er mit Ideen, Spürsinn und Tatkraft den Aufbau der Sammlung. Er selbst leitete die Führung für den Achentaler Geschichtsverein. Mit großem Gewinn für die Vereinsmitglieder: Anhand der Stollennachbildungen, Exponate und Karten des Hauses brachte er seine Kenntnisse der Besuchergruppe eindrücklich nahe – so erfuhren sie ausgesprochen viel Interessantes über dieses weniger bekannte Kapitel der Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Der Besuch im Achthaler Bergbau-Museum ist Einheimischen wie Touristen unbedingt zu empfehlen (Museum geöffnet ab Mai 2016). – ug 14.3.2016


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Historische Wanderung zur Rettenburg

Der Heimat- und Geschichtsverein Achental veranstaltete am 22. Juni 2013 eine historische Wanderung zur ehemaligen Rettenburg in Wössen. Die fünfzehn Teilnehmer folgten begeistert der fachkundigen Führung durch die Vereinsmitglieder Anton und Berhard Greimel.

Auf dem Hinweg – die Burgruine liegt etwa auf halber Strecke zwischen Kruchenhausen und Hinterwössen – wurden die Teilnehmer auf die noch sichtbaren mittelalterlichen Weinbergterrassen am Garber Bichl und auf die vermutete Ansiedlung der Burgsassen hingewiesen. Von einem der Burghöfe wissen wir, dass er 1224 dem Kloster Herrenchiemsee „mit 6 Seelen und 6 Rindern“ gestiftet wurde.

Die Rettenburg wurde wahrscheinlich um 900 als Fliehburg gegen die damaligen Ungarneinfälle durch die Grafen von Rott erbaut, die im Achen- und im Leukental eine Reihe von Gütern besaßen. Im Jahr 1259 gelangte sie zusammen mit Burg und Herrschaft von Marquartstein an Heinrich XIII. von Niederbayern und verlor nach Errichtung des Marquartsteiner Pfleggerichts ihre Bedeutung. Heute sind nur noch wenige Mauerreste erhalten.

Bernhard Greimel konnte den Teilnehmern eine Reihe von Keramik- und anderen -Funden aus dem Beginn des 10. Jahrhunderts im Original sowie Zeichnungen weiterer Funde zeigen. Eine eifrige Diskussion über die Geschichte der Burg und der Region beschloss den erfolgreichen Ausflug.

 

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Wie die Zunftstangen aus Grassau wieder frisch gemacht werden

Einblicke in das Restaurierungs-Handwerk

Der Ortsheimatpfleger von Grassau, Fritz Seibold, und der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e.V., Dr. Hans J. Grabmüller, erhielten die interessante Möglichkeit, in Bad Tölz-Gaissach die Restaurierungswerkstatt Wiegerling zu besuchen. Dort werden zur Zeit die Zunftstangen aus der Grassauer Kirche wieder zu neuem Glanz gebracht. Seibold und Grabmüller arbeiten gerade an einem weiteren Band der Ortsgeschichte: er wird sich mit dem Thema Handwerk und Gewerbe befassen. Der Umstand, dass eine kleine Landgemeinde wie Grassau seinerzeit Sitz mehrerer Zünfte war, deren Innungszeichen auch noch vorhanden sind, ist außergewöhnlich. Das geplante Buch verspricht also, einen aufschlussreichen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte des Achentals zu leisten.

Der Leiter der Restaurierungsabteilung, Stefan Hundbiss, nahm sich viel Zeit, um den Besuchern die Zunftstangen in ihrem derzeitigen Zustand zu zeigen: zerlegt, z.T. ergänzt, z.T. neu zusammengesetzt, z.T. noch ohne Fassung (Bemalung), z.T. aber auch schon fertig. Die einzelnen Schritte des Restaurierungsprozesses wurden auf diese Weise deutlich. Zwei Zunftstangen sind bereits restauriert. Der Fachmann bestätigte den hohen Wert der Stücke, und die Besucher aus Grassau gewannen den Eindruck, dass die historischen Handwerkszeichen in besten Händen sind. Nach deren Fertigstellung wird Grassau sehr schöne Zeugnisse der regionalen Handwerksgeschichte präsentieren können.– ug

Stefan Hundbiss
  Zunftstangen
Restaurator Stefan Hundbiss (li.) mit Besuchern aus Grassau: Fritz Seibold und Hans Grabmüller (Foto: Uta Grabmüller)   Beispiele für aufwändige Restaurierungen: Zunftstangen aus Grassau (Foto: Uta Grabmüller)


 

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Modernes Bauernleben und historische Funde

Ausflug des Heimat- und Geschichtsvereins Achental ins Priental

Mehrere Mitglieder des Vereins aus Reit im Winkl, Schleching, Marquartstein und Grassau machten sich an einem schönen Mai-Nachmittag auf nach Aschau. Ziel war der im nördlichen Ortsteil Höhenberg gelegene Geigerhof der Familie Aringer. Die Fahrt war in doppeltem Sinne heimatgeschichtlich interessant. Einerseits bot die Bäuerin Elisabeth Aringer bei einer Führung rund um den Hof einen guten Einblick in die Probleme und Möglichkeiten zeitgemäßer Landwirtschaft sowie in die Geschichte der kleinen Siedlung samt ihrer Kirche aus dem späten 15. Jahrhundert mit ihrer Barock-Ausstattung; andererseits zeigte der Bauer Sebastian Aringer fachkundig den interessierten Besuchern die archäologischen Funde, die er seit nur sechs Jahren in unmittelbarer Umgebung gemacht hatte – zunächst zufällig, sodann in systematischer Suche. Die Datierung der Stücke lässt den Schluss zu, dass sich auf jener kleinen Berghöhe Menschen seit der Urnenfelderzeit (1250-750 v. Chr.) aufgehalten haben. Die jüngsten Funde stammen aus der Römerzeit. Seine Arbeit wird begleitet und unterstützt vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau e.V:, und die Führungen von Frau Aringer gehören zur Prientaler Landfrauen-Initiative „Bauernland und Bauersleut“.

Da zu den Besuchern auch Amateur-Archäologen aus dem Achental gehörten – Emil Huber, Hartmut Rihl und Michael Huber –, entspannen sich rasch fachkundige Gespräche. Denn der Achentaler Verein bereitet gerade seine diesjährige Ausstellung vor. Sie trägt den Titel „Historische Werkzeug- und Gerätefunde im Achental“ und steht inhaltlich auch mit den in Aschau gesehenen Funden in Verbindung. – ug

tl_files/images/exkursionen/aringer-hoehenberg.jpg   Sebastian Aringer
Elisabeth (li.) und Sebastian Aringer (4.v.li.) mit der Besuchergruppe aus dem Achental: Hartmut Rihl, Fritz Irlacher, Hans Grabmüller, Michael Huber, Emil Huber (v.li.). Foto: Uta Grabmüller   Sebastian Aringer (3.v.li.) erläutert Besuchern seine Funde in dem von ihm selbst eingerichteten kleinen Museum (Foto: Uta Grabmüller)

 

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Er steht - der Römerstein

Römerstein in Staudach-EgerndachAm 7. Oktober 2011, 14.00 Uhr wurde er nun endlich enthüllt, der Römerstein von Staudach-Egerndach. Trotz intensiven Regens und großer Kälte hatten es sich mehr als 50 Besucher nicht nehmen lassen, das Gelände an der Achenbrücke aufzusuchen, um dem „historischen Spektakel“ beizuwohnen. Passend zum Thema brachte Dr. Alfons Regnauer vom Verein „Bedaium“ in Seebruck einen „echten“, original bekleideten und waffenstrotzenden römischen Krieger mit, der prompt neben dem Gedenkstein Stellung bezog.

Nach der Begrüßung der Besucher durch den Bürgermeister Hans Pertl führte Dr. Hans Grabmüller in die historische Bedeutung und den historischen Hintergrund des Römersteins ein. Fritz Seibold jun., Steinmetzmeister aus Grassau, der zusammen mit der Künstlerin Linda Blüml den Römerstein geschaffen hatte, berichtete über die Entstehung der Idee zu diesem Werk, die verschiedenen Stadien und Probleme bei der Realisierung, die angewandten Techniken sowie die ganz persönlichen Motive, die zur Vollendung dieser Arbeit geführt hatten.

Was hat es nun mit dem Stein auf sich ?

Im Jahr 1808 wurde ein in die Egerndacher Kirche eingemauerter römischer Gedenkstein aus dem späten 1. oder beginnenden 2. Jahrhundert n. Chr. entdeckt, der ursprünglich angeblich aus der Burgruine Hohenstein stammen soll. Der Stein wurde nach München verbracht, wo ihn im Zweiten Weltkrieg eine Fliegerbombe zerstört hat. Auf ihm war ein keltisches Ehepaar in keltischer Tracht abgebildet, während die Inschrift lateinisch war. Sie lautete übersetzt:

Zu Lebzeiten haben [den Stein] gesetzt
Acutus, des Lucius
Marius Nobilis
Freigelassener, und Amanda
der Pameta Freigelassene

Dieser Stein ist ein Hinweis auf die mögliche Anwesenheit von Römern im Achental – wenn auch kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne: auch er könnte von einem anderen Ort hierher verbracht worden sein. Was diesen Stein aber vor allem für die Forschung interessant macht, sind die Inschrift und die abgebildeten Personen. Während der Mann, Acutus, einen keltischen Namen trug, sich von der Mode her aber römisch gab (Frisur und Bartlosigkeit), ist die Tracht von Amanda, der Frau, eindeutig keltisch. In einer Fülle weiterer solcher Gedenksteine im Chiemgau zeigt sich, dass Brauchtum, Tracht und vermutlich eine Vielzahl weiterer kultureller Lebensäußerungen der Kelten noch lange parallel zu den übernommenen römischen Sitten und Gebräuchen existieren konnten.

Die Aufstellungsfeier wurde vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten. Gesendet wird sie am 12. Januar 2012 um 7.30 Uhr in Bayern 2.

 

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Die Träume Ludwigs II. und das 19. Jahrhundert in Bayern

Logo-HGV-AchentalZiel eines Ausflugs des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e.V am 24. September 2011 war die erfolgreiche Landesausstellung im Schloss Herrenchiemsee. Die Ausstellung mit dem Titel „Götterdämmerung. König Ludwig II.“ präsentiert in zwölf Räumen im unvollendeten Seitenflügel alle Themen, die in Zusammenhang mit dem wohl bekanntesten Wittelsbacher stehen. Die Besucherzahl nähert sich in diesen Tagen der halben Million – viele davon hatte sich diesen sonnigen Samstag für die Fahrt auf die Insel ausgesucht …


Die zwanzig Regierungsjahre des von Mythen umwobenen jungen bayerischen Königs waren sowohl aufgrund seiner Persönlichkeit wie auch aufgrund der politisch unruhigen und technologisch lebhaften Epoche in Bayern und dem Kaiserreich eine historisch sehr interessante Zeit. Für die Heimatforschung liegt es nahe, sich mit diesen Themen zu befassen, da eines der Großprojekte des Königs, nämlich der Bau des Schlosses Herrenchiemsee, zwischen 1878 und 1886 in unmittelbarer Nachbarschaft des Achentals umgesetzt wurde.


Ein eigens vom „Haus der bayerischen Geschichte“ für die Führung der Achentaler Gruppe zur Verfügung gestellter junger Historiker (Herr Andreas Jell) bot ausgezeichnete Erläuterungen. Er erklärte verständlich die Fakten auf dem Hintergrund der wissenschaftlichen Diskussion. Auch gab er gute Hinweise zum Konzept und zu den Exponaten der Ausstellung. Herrn Erich Kamm ist herzlich zu danken, dass er die Organisation der kleinen Exkursion übernommen hatte. - hgr

 

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Exkursionen

roemersteinAm 7. August um 16.00 Uhr können Vereinsmitglieder und historisch Interessierte im Rahmen eines Werkstattbesuchs im Steinmetzbetrieb Seibold in Grassau ein besonderes Schmankerl in Augenschein nehmen. Fritz Seibold jun. und die Bildhauerin Linda Blüml aus Berlin können bei der Arbeit an der Rekonstruktion eines Römersteins beobachtet werden. Was macht diesen Steein so interessant? Wieso wird er rekonstruiert? Hierzu und zu anderen technischen, künstlerischen und histrorischen Fragern wollen die beiden Künstler gerne Rede und Antwort stehen.

Zum historischen Hintergrund einige Anmerkungen vorab:

Im Jahr 1808 wurde ein in die Egerndacher Kirche eingemauerter römischer Gedenkstein aus dem späten 1. oder beginnenden 2. Jahrhundert n. Chr. entdeckt, der ursprünglich angeblich aus der Burgruine Hohenstein stammen soll. Der Stein wurde nach München verbracht, wo ihn im Zweiten Weltkrieg eine Fliegerbombe zerstört hat. Auf ihm war ein keltisches Ehepaar in keltischer Tracht abgebildet, während die Inschrift lateinisch war. Sie lautete übersetzt:


Zu Lebzeiten haben [den Stein] gesetzt
Acutus, des Lucius
Marius Nobilis
Freigelassener, und Amanda
der Pameta Freigelassene


Die auf dem Stein abgebildeten Personen sind also freigelassene Sklaven. Der Stein ist ein Hinweis auf die mögliche Anwesenheit von Römern im Achental – wenn auch kein „Beweis“ im eigentlichen Sinne: auch er könnte von einem anderen Ort hierher verbracht worden sein. Was diesen Stein aber vor allem für die Forschung interessant macht, sind die Inschrift und die abgebildeten Personen. Während der Mann, Acutus, einen keltischen Namen trug, sich von der Mode her aber römisch gab (Frisur und Bartlosigkeit), ist die Tracht von Amanda, der Frau, eindeutig keltisch. Wie in einer Fülle weiterer Fälle solcher Gedenksteine im Chiemgau zeigt sich, dass Brauchtum, Tracht und vermutlich eine Vielzahl weiterer kultureller Lebensäußerungen der Kelten noch lange parallel zu den übernommenen römischen Sitten und Gebräuchen existieren konnten.

Der Stein wird voraussichtlich im September oder Oktober in Egerndach an prominenter Stelle im Rahmen einer kleinen Feier aufgestellt werden. Näheres wird rechtzeitig bekannt gegeben.

 

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Die erste Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Achental e.V. im Jahr 2011 war ein Besuch des Stadtmuseums Trostberg. Eine stattliche Besuchergruppe fand sich am 28. Januar im Museum ein. Dr. Rainer Lihotzky, einer der drei ehrenamtlichen Museumsleiter, hatte eine Führung angeboten und zeigte mit viel Fachkompetenz und ansteckender Begeistung für die Sache den Achentaler Gästen das Museum. Die Besucher waren stark beeindruckt vom Ausstellungskonzept.

Das „lebendige Museum“ in Trostberg bietet eine schier unüberschaubare Fülle an Exponaten. Das 1939 als Heimathaus gegründete Museum zählt zu den bedeutenden Museen im Chiemgau. Rund 22 000 Objekte werden in 35 Räumen, verteilt über vier Stockwerke, aufbewahrt. Das Stadtmuseum zeigt bäuerliche und bürgerliche Wohnkultur des 17. bis 20. Jahrhunderts. Die Räume sind im Stil der jeweiligen Zeit eingerichtet. Sie vermitteln den Eindruck, als hätten ihre Bewohner sie gerade eben und nur vorübergehend verlassen. Kein toter Sammelort für historische Exponate ist das Museum deshalb, sondern ein lebendiger Ort der Begegnung. Folgerichtig finden hier auch Hochzeiten, Konzerte und Vortragsveranstaltungen statt.

Die Sammlungen belegen weiterhin die reiche Handwerks-, Gewerbe und Industrietradition von Trostberg und Umgebung und sie umfassen historische Stich- und Feuerwaffen, Fahnen, Helme und Schützenscheiben. Als Krönung existiert eine eigene, mit wertvollen Kunstwerken ausgestattete Hauskapelle.


Aktuelles

28.10.2017 19:30

A Wildererstuck

Mundart-Lesung im Gasthof Zellerwand, Mettenham

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03.10.2017 18:00

Zeit zum Zeithaben

Musik in der Pfarrkirche Schleching

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08.09.2017 13:00

Kulturfahrt

"Auf den Spuren von Ritter Marquart"

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04.09.2017 19:00

Vortrag zum Reformationsjahr

Montag, 04.09.2017 um 19 Uhr

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